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Redebeitrag der Stadtverordneten Mechthilde Coigné, Fraktion Linke Liste, zu TOP 4 der TO I „Kinder fördern, nicht Strukturen - Einführung von Kinderbetreuungs-
gutscheinen prüfen - Gemeinsamer Antrag der Stadtverordnetenfraktionen von CDU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP“

Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 12. Februar 2009
(Es gilt das gesprochene Wort.)

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
sehr geehrte Damen und Herren,

die Landesregierung möchte Betreuungsgutscheine für unter Dreijährige ausgeben, um - wie es heißt – die "Wahlfreiheit von Eltern in einem Modellprojekt zu stärken". Weiter heißt es, soll "ein wirksamer Beitrag zur Wahlfreiheit und Trägervielfalt" geleistet werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, diese wenig konkreten Äußerungen beflügeln die Phantasie. Junge Familien haben verschiedene Bedarfe. Geht es darum, dass die Eltern mal ausgehen möchten und ihr Kind in den Abendstunden betreut haben wollen? Soll eine junge Mutter die freie Wahl haben, ob sie sich ganz der Erziehung des Kleinkindes widmen soll oder auch stundenweise oder in voller Stelle einer Berufstätigkeit nachgehen kann?
Soll es darum gehen mit einer Tagesmutter oder mehreren Müttern über Gutscheine die Betreuungsabrechnung zu vereinfachen? Oder eventuell die Betreuung des Kleinkindes in Kooperation zwischen Betreuungseinrichtungen, Vereinen und Tagesmüttern sicherstellen?

Meine persönliche Erfahrung mit der Vereinbarung von Berufstätigkeit und Kleinkinderziehung ist die: "Organisierbar" ist vieles, aber nicht alles ist durchführbar.

Welche Standards erwarten wir bei einer guten Kinderbetreuung? Ich erinnere hier an die im letzten Jahr vom "Runden Tisches für den Erhalt einer guten Kindertagesbetreuung" erarbeiteten Leitlinien für eine gute Kinderbetreuung in Wiesbaden.
Gute Kinderbetreuung muss fachlich, verlässlich und überschaubar sein. Eine begrenzte Anzahl von festen Bezugspersonen ist gerade für Kleinkinder unbedingt notwendig. Pädagogische Konzepte für frühkindliche Bildung brauchen entsprechende pädagogische und organisatorische Rahmenbedingungen.

2013 ist das Jahr, zu dem das Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren einen Versorgungsgrad von 35 % erreicht haben soll. Dieses Ziel ist auch für unsere Stadt eine große Herausforderung. Es darf aber nicht auf Biegen und Brechen zu Lasten der Qualität der Betreuung und somit zu Lasten der Kinder und deren Eltern erreicht werden.

1500 zusätzliche Krippenplätze müssen in Wiesbaden bis 2013 geschaffen werden. So war die Ausgangslage vor ca. einem Jahr. Mittlerweile sind einige neue Plätze entstanden, vorrangig in Einrichtungen von freien Trägern und Elternvereinen. Die Not ist groß und der Weg, dass sich Eltern selbst behelfen, verständlich. Aber für uns als Stadtverordnete muss es darum gehen, Lösungen zu schaffen, die die Betreuungssituation quantitativ und qualitativ verbessern.

"Kinder fördern, nicht Strukturen" – ja. Wir brauchen deshalb keine Gutscheine und kein Bonussystem. Wir brauchen Betreuungseinrichtungen in öffentlicher Hand, für jede Familie zugänglich, mit den Standards der Leitlinien für Kinderbetreuung. Die Aufgabe der Politik ist es, für die Finanzierung zu sorgen und die institutionellen Voraussetzungen zu schaffen.

Deshalb lehnt die Linke Liste diesen Antrag entschieden ab.

Mechthilde Coigné
stellvertretende Fraktionsvorsitzende

 

 

 

 



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