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Offener Brief an den Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller
Wiesbaden, den 10. Oktober 2007
Beziehungen zu Russland – Petersburger Gespräche in Wiesbaden 14./15.10.2007
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Müller,
Die Blitztip-Leser der 1. Ausgabe im Oktober konnten aus Anlass der sogenannten Petersburger Gespräche Einiges dazu lesen, was Sie zu den Beziehungen Deutschlands und Wiesbadens zu Russland zu sagen hatten. Sie haben Sich hierbei darüber ausgelassen, wie gut schon immer zu Zeiten des Zaren die Beziehungen zwischen dem „Großbürgertum“ waren. Sie haben auch darauf hingewiesen, welch prominente Persönlichkeiten auf dem Russischen Friedhof bestattet worden sind.
In der Wiedergabe dieser „Beziehungen“ fehlt leider eine – allerdings für das russische Volk sehr unerfreuliche – „Beziehung“, nämlich eine Erwähnung und Würdigung des Angriffskrieges des deutschen Faschismus gegen die damalige Sowjetunion. Genauso vermisst man jegliche Erwähnung des Einsatzes von Zwangsarbeitern aus der Sowjetunion in Wiesbaden. Es muss daher ernstlich gefragt werden, ob Sie auf dem rechten Auge blind sind.
Wohltuend dem gegenüber eine nahezu zeitgleich erschienene, sehr anschauliche und eindrucksvolle Darstellung des Leidens der Zwangsarbeiter in Wiesbaden im Wiesbadener Kurier. Hier wird geschildert, wie die von 1942 bis 1945 verschleppten ca. 3500 Zwangsarbeiter aus der ehemaligen Sowjetunion nützliche Dienste für die Führung des Krieges gegen das eigene Volk in Wiesbadener Firmen leisten mussten und wie menschenunwürdig ihr Leben in Wiesbaden war.
Wäre es nicht angemessen und notwendig, dass Sie sich als Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden anlässlich der Petersburger Gespräche etwa bei Präsident Putin entschuldigen, auch für das Leid der in Wiesbaden eingesetzten Zwangsarbeiter, und wenn sich die Stadt Wiesbaden auch darum kümmern würde, dass alle hier eingesetzten Zwangsarbeiter oder deren Nachfahren ordnungsgemäß entschädigt werden?! Und wäre es nicht genauso notwendig, die vom Einsatz der Zwangsarbeiter profitierenden Wiesbadener Firmen dazu aufzufordern, sich an Entschädigungsleistungen zu beteiligen und zugleich Patenschaften zu Zwangsarbeiterfamilien anzuregen und zu realisieren. Auch die Stadt Wiesbaden könnte an die Bürgerschaft herantreten und solche Patenschaften ausdrücklich anregen und fördern.
Mit freundlichen Grüßen
Hartmut Bohrer, Fraktionsvorsitzender der Linken Liste
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