Linke Liste fordert Engagement für den Abzug der US-Truppen

Die Linke Liste Wiesbaden ist auf der Seite der Optimisten, die hoffen, dass der Abzug von US-Truppen aus Deutschland nicht an Wiesbaden vorbeigeht. Der Stadtverordnete Hartmut Bohrer erklärte für die Fraktion Linke Liste im Stadtparlament, dass er sich sehr gut vorstellen könne, dass die mit Grünflächen umgebenen Wohnungen der US-Militärs und ihrer Familien in den Siedlungen Aukamm, Hainerberg, Crest View und Kastel Housing Area sehr schnell Abnehmer/innen fänden, da preisgünstige Wohnungen im Rhein-Main-Ballungsraum gesucht sind.

Die dort einziehenden Familien würden mit ihrer Kaufkraft zudem den Abzug der bisherigen US-Bewohner/innen mehrfach ausgleichen, da letztere bekanntlich einen erheblichen Teil ihres Einkommens in den US-eigenen Versorgungseinrichtungen ließen oder in ihre Heimat transferierten. Ob sich das Fernbleiben von US-Soldaten aus Einrichtungen wie der Groß-Diskothek „Euro-Palace“ negativ auswirken werde, bleibe abzuwarten.

Für eine mögliche Schließung des Flugplatzes Erbenheim müsse Vorsorge getragen werden, damit für dieses nicht nur für Gewerbeansiedlung hochattraktive Gelände Planungen eingeleitet werden, die für Wiesbaden positive Nutzungen sicher stellen.

Die Fraktion Linke Liste erwartet von Oberbürgermeister Diehl und Magistrat die Beachtung des Stadtverordnetenbeschlusses, sich für die Freigabe des über 20 Hektar großen Geländes Kastel Storage Station (mitten in Kastel) stark zu machen. Da – wie in der Tagespresse berichtet – zwischen US-Militärführung und bundesdeutschen Stellen Gespräche über die Auswahl der vom Abzug betroffenen Standorte geführt werden, stellt der Stadtparlamentsbeschluss, der auf Antrag der Linken Liste zustande kam, eine Verpflichtung zum sofortigen Handeln dar. Stadtrat Prof. Dr. Pös hatte kürzlich u.a. auf einer Veranstaltung mit Gewerbetreibenden erklärt, dass er für das sog. „AFEX-Gelände“ eine Rahmenplanung zur Vorbereitung der vom Stadtparlament beschlossenen Bebauungsplanung erstellen lassen wird.

Die Beseitigung der „Eiterbeule“ Kastel Storage Station aus dem Zentrum Kastels wäre ein Segen nicht nur für den Stadtteil Kastel. Das auf diesem Gelände u. a. existierende bundesweit zentrale Chemikalien-Sondermüll-Depot der US-Armee entspricht bis heute nicht den deutschen und US-amerikanischen Sicherheitsbestimmungen und hat jahrzehntelang Boden und Grundwasser vergiftet, so dass bei Abzug des US-Militärs millionenschwere Aufträge für Entsorgungsfirmen anfallen.

Insgesamt verspricht sich die Linke Liste vom möglichen Abzug der US-Truppen aus Wiesbaden viele positive Entwicklungsmöglichkeiten. Im Vergleich mit strukturschwachen Regionen wie z.B. um Baumholder in der Pfalz stellt sich die Lage im Ballungsraum Rhein-Main ganz anders dar. Außerdem empfindet die Linke Liste die Nachbarschaft von Militärs, die Angriffskriege führen und durch Folter von Gefangenen Schlagzeilen machen, nicht als angenehm.

 

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