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Redebeitrag der Stadtverordneten Mechthilde Coigné zum TOP "Stadion Berliner Straße" in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 23. April 2007 (Es gilt das gesprochene Wort.)
Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Damen und Herren,
heute sollen wir im Wiesbadener Stadtparlament den Bau einer Wehener Fußball-Arena an der Berliner Straße beschließen. Zur Stärkung der „Sportstadt Wiesbaden“, so der Titel eines Vorläufer-Antrages vom 5. Dezember 2006, und nicht auf Kosten der Wiesbadener Sportvereine. Zum Wohl der Wiesbadener BürgerInnen, die sich dann endlich rühmen können, in einer Stadt mit einem Fußball-Bundesliga-Stadion wohnen zu dürfen. „Aus dem Wehener Verein wird schon ein „Wiesbadener“ werden, zumindest in der Namensführung.“ Das wird uns versichert. Es bleibt die Frage, ob sich in der Wiesbadener Fußballgemeinde eine wie in Mainz und Frankfurt traditionelle Verbundenheit herstellen lässt und die Wiesbadener und Wiesbadenerinnen mit vermeintlich „Ihrer“ Bundesliga–Mannschaft durch Dick und Dünn gehen.
Auf jeden Fall sieht es für die Wiesbadener Sportwelt im Berliner Stadion nicht so rosig aus. Eng wird es im Berliner Stadion werden. “Nicht auf Kosten von Wiesbadener Sportvereinen“ so lautete die immer wieder ausgegebene Devise des Magistrates und der Mehrheit im Stadtparlament. Unsere Befürchtungen, dass die Umgestaltung des Stadions die Situation für die anderen Nutzerinnen, nämlich Wiesbadener Vereine und Schulen, verschlechtert, bestätigt sich. Der Spiel- und Trainingsplan der beiden Wiesbadener Fußballvereine ist nicht mehr abzudecken. Es fehlen im Grunde zwei Fußballfelder. Leichtathletik und Schulen kommen in Nöte. „Wir wissen, dass es eng wird. Lösungen werden gefunden werden.“ so die immer wiederkehrende mündliche Auskunft des Herrn Oberbürgermeisters zu drängenden Fragen der Vertreter der Wiesbadener Sportwelt in öffentlichen Veranstaltungen. Man redet schon miteinander, aber bis heute: „Genaues weiß man nicht.“
Verlierer sind laut Stellungnahme des SV Wiesbaden (Zitat) „die 180 Jugendlichen des SV Wiesbaden. Die Jugendabteilung wird massive Einschränkungen hinnehmen müssen, weil zwei Fußballfelder wegfallen.“ So viel schon mal zum angeblichen Ziel „Stärkung der Sportstadt Wiesbaden“. Ich zitiere den langjährigen Vorsitzenden des Sportkreises Wiesbaden, Herrn Professor Hans-Jürgen Portmann, aus dem Wiesbadener Tageblatt vom 21. April: „Es ist sicher keine Frage, dass in Wiesbaden Sportplätze Mangelware sind und Sporthallen fehlen. Die werden aber benötigt für Schülerinnen und Schüler, unsere Jugendlichen und all diejenigen, für die das Sporttreiben immer noch die schönste Nebensache der Welt ist. Für genau die Sportstätten funktionsgerecht, mit sachlicher Architektur und mit Augenmaß zu errichten, ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen.“(Zitatende).
Sehr geehrte Damen und Herren und genau das ist der Punkt. In diesem Sinne sollten Steuergelder verwendet werden, und nicht für Profis und profitorientierten Sport.
Und noch ein kritischer Punkt - heute noch mal schnell im Beschlusstext untergebracht: „Die Standortentscheidung für eine neue Arena soll bis Ende September 2007 getroffen sein.“ Warum diese Eile und nicht abwarten können, wie sich die 1. Mannschaft des SV Wehen tatsächlich in der nächsten Spielsaison entwickelt.
Der heutige Beschlussvorschlag basiert angeblich auf den Ergebnissen eines Schall- und eines Bodengutachtens. Beide liegen uns bis heute nicht vor. Auf schriftliche Nachfrage erhielten wir per Fax am Sonntag, den 22. April 2007 die Antwort, dass es zur Zeit noch keine ausgearbeiteten Gutachten gibt. Der Verweis auf völlig unzureichende mündliche Erklärungen in der dieser Sitzung heute vorausgegangenen Ausschusssitzung halten wir für völlig inakzeptabel. Eine sachgerechte Beratung und Beschlussfassung der Stadtverordneten wurde auf diese Weise unmöglich gemacht. Schon deshalb müssen wir diese Beschlussvorlage ablehnen.
„Die Landeshauptstadt Wiesbaden weist auf möglicherweise durch Öl verunreinigte Böden hin.“ – heißt es im Nutzungsvertrag zwischen der Landeshauptstadt Wiesbaden und dem SV Wehen. Wer übernimmt eventuell anfallende Bodensanierungskosten?
Zur Kostenfrage ein weiteres Beispiel (ich zitiere aus den geplanten Vereinbarungen zwischen dem Sportverein Wehen und der Landeshauptstadt Wiesbaden): „Der SV Wehen wird sämtliche Kosten für die Verlegung des Werfer- und des Fußballplatzes übernehmen, mit Ausnahme der Kosten, die sowieso [...] entstanden wären, [...]“ Im uns heute vorliegenden Beschlussvorschlag stellt sich dieser Ansatz wie folgt dar: 1.390.000 Euro für die Verlegung des Werferplatzes und für den Kunstrasen inkl. Kleinmaßnahmen. Davon soll die Landeshauptstadt Wiesbaden 1.220.000 Euro und 170.000 Euro der SV Wehen tragen.
Meine Damen und Herren,
die Linke Liste hat bereits den Antrag der Koalition mit dem wohlklingenden Titel zur Stärkung der „Sportstadt Wiesbaden“ im Dezember abgelehnt. Stärkung der „Sportstadt Wiesbaden“? Ja! – aber mit Maßnahmen, die Vereinen, Schulen und der übrigen sich sportlich betätigenden Bevölkerung im Sinne des Gemeinwohles, der Stärkung sozialer Strukturen und des friedlichen Miteinanders zu Gute kommen.
Unsere Befürchtung, dass mit dem Antrag der Koalition zu Ihrer Art von Stärkung die Interessen Einzelner im großen Profisport-Markt bedient werden sollen - auf Kosten des Vereins- und Schulsportes sowie der Landeshauptstadt Wiesbaden bzw. der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler haben sich bestätigt.
Wir lehnen diesen Beschlussvorschlag, zu dem auch noch maßgebliche Informationen vorenthalten wurden, ab.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Mechthilde Coigné - Sportpolitische Sprecherin der Fraktion Linke Liste, Mitglied des Ausschusses für Sport und Freizeit -
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