Redebeitrag der Stadtverordneten Mechthilde Coigné zum Antrag der Fraktionen von CDU, BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN und FDP „Sportstadt Wiesbaden“ in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 15. Dezember 2006

(Es gilt das gesprochene Wort.)

 

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

wir werden mit einem Antrag von CDU, GRÜNEN und FDP aufgefordert zu begrüßen, dass der Magistrat „einen Spielort für Vereine“ anbietet, „die zurzeit noch nicht in Wiesbaden spielen“.

Dieser Spielort soll an der Berliner Straße, im Gewerbegebiet Petersweg-Ost oder anderswo eingerichtet werden und diese „neue Spielstätte“ soll „nicht auf Kosten“ von Zuschüssen an die Wiesbadener Sportvereine geschaffen werden.

 

Reden wir doch Klartext:

 

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen von der Koalition,

Sie wollen nicht „einen Spielort“, sondern zwei Fußballstadien,

und nicht „für Vereine“, noch nicht mal für einen Verein, den SV Wehen, sondern für kommerziellen Fußball, der die erste Mannschaft des SV Wehen vermarkten möchte, in der Annahme sie werde in die zweite Bundesliga aufsteigen und dort sich eine Zeitlang halten.

Sie wollen dies angeblich nicht auf Kosten von Wiesbadener Sportvereine, sie wollen aber das Stadion an der Berliner Straße umgestalten für kommerziellen Fußball und sind dabei, die Bedingungen für andere Nutzerinnen, nämlich Wiesbadener Vereine und Schulen, zu verschlechtern.

 

Sie wollen im teuer erkauften Gewerbegebiet Petersweg-Ost in Mainz-Kastel ein Stadion errichten lassen, was alle gewählten politischen Vertreterinnen und Vertreter vor Ort, alle Ortsbeiratsmitglieder und Stadtverordnete des Stadtteils, von CDU, über SPD, AUF und Linke Liste bis zur FDP bereits einmütig und einstimmig abgelehnt haben und sie zur Forderung nach Einberufung einer Bürgerversammlung veranlasst hat.

 

Sie sind bereit, das Verkehrsdesaster im Bereich Otto-Suhr-Ring/Boelckestraße/Theodor-Heuß-Brücke zu steigern und wertvolles Gewerbegebiet zu verschleudern.

 

Sie sagen, dass die Kosten für ihre „Visionen“ nicht zu Lasten der Zuschüsse an Wiesbadener Sportvereine gehen sollen. Aber Sie sagen nicht zu wessen Lasten. Zu Lasten des übrigen Sportetats? Zu Lasten anderer Bereiche?

 

Und wer trägt das finanzielle Risiko für einen Stadionausbau oder –neubau, wenn der Regionalligist Wehen nicht Tausende von Besucherinnen und Besucher in das Stadion an der Berliner Straße oder gar in ein noch größeres am Petersweg lockt?

Mit wie viel Gewerbesteuereinnahmen aus kommerziellem Fußball und anderen Veranstaltungen im Gewerbegebiet Petersweg rechnen Sie?

 

Wir brauchen in Wiesbaden keine Bau- und Finanzruinen und werden auch deshalb Ihrem Antrag nicht zustimmen.

 

 

Mechthilde Coigné

-Stadtverordnete-

-sportpolitische Sprecherin der Linken Liste-

 

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