Der Stadtverordnete Hartmut Bohrer von der Linke Liste Wiesbaden machte in seiner Begründung des Antrages darauf aufmerksam, dass nach Jahren des Sinkens der Anzahl der Unfälle mit Kindern in der Stadt, diese angestiegen sind. Darauf muss die Stadtverwaltung reagieren. Er kritisierte, dass die städtische Verwaltung auf Vorschläge zur Minderung des Gefahren für Kinder, die z. B. die Schulen anregen, zu langsam reagiert. Auch eine Reaktion auf den tragischen Badeunfall in Mainz-Kastel, bei dem ein Kind ertrunken ist, lässt Wochen danach auf sich warten. 

 

Dezernent Prof. Pös sah dies leider deutlich anders. Er stimmte zwar der Aussage zu, dass jedes Unfallopfer, insbesondere wenn es Kinder und Jugendliche sind, eines zuviel ist,  ist aber der Meinung, dass die Stadt Wiesbaden ihre Hausaufgaben gemacht hat. So gebe es seit 2001 keine Unfallschwerpunkte für Kinder mehr. Die Prävention (Verkehrerziehung) wird großgeschrieben und entsprechend gefördert. Was die zahlreichen Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrssicherheit an konkreten Orten betrifft, sieht er für die Stadtverwaltung nur wenig Chancen diese kurzfristig zu realisieren. Die finanziellen, sachlichen und personellen Voraussetzungen würden dazu fehlen. Beim Thema Badeunfälle sollte es seiner Meinung nach keine Schnellschüsse geben. Er setze auf Information der BürgerInnen.

 

Hartmut Bohrer bewertete die Ausführungen von Prof. Pös zu möglichen Reaktionen der Stadt auf die aktuellen Gefährdungen als ungenügend. Trotzdem fand der Vorschlag , den Antrag durch Aussprache für erledigt zu erklären, eine Mehrheit mit den Stimmen von CDU, FDP und REP.   

 

Offensichtlich wurde im Magistrat von Wiesbaden über den Antrag der Linken Liste Wiesbaden weiter nachgedacht: siehe Presseartikel vom 28.07.2005 im Wiesbadener Tagblatt nach dem Antragstext.

 

 

Gefahrenabwehr im Straßenverkehr und beim Schwimmen in offenen Gewässern

 

 

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

 

Der Magistrat möge berichten, mit welchen zusätzlichen Maßnahmen er die Zahl der Straßenverkehrsunfälle im Stadtgebiet, an denen Kinder oder Jugendliche beteiligt sind, senken will.

Besonders für Stellen, die Unfallschwerpunkte darstellen, sollen auch Maßnahmen vorgeschlagen werden, die möglichst schnell umsetzbar sind.

Es wird auch um entsprechende Berichterstattung und konkrete Vorschläge gebeten im Hinblick auf die Vermeidung von Badeunfällen, insbesondere beim Schwimmen in offenen Gewässern.

 

 

Warntafeln raten von Baden im Rhein ab

Nach dem Unfall am Kasteler Sandstrand hofft die Stadt Wiesbaden auf pädagogische Wirkung
Vom 28.07.2005

Vier Wochen nach dem Badeunglück, bei dem am Kasteler Sandstrand ein achtjähriges Mädchen in den Fluten zu Tode kam, hat die Stadt Wiesbaden mehrere Warnschilder auf der Kasteler Rheinpromenade sowie in Biebrich angebracht. Sie weisen auf die Gefahren des Badens im Rhein hin.

Von Wolfgang Wenzel

Weitere Konsequenzen sind offenbar nicht vorgesehen. Mehr könne die Kommune nicht machen, doch das sei mehr, als gar nichts zu tun, sagte Stadtrat Dieter Schlempp, als gestern die ersten Tafeln am Kasteler Sandstrand platziert wurden. Verboten sei das Schwimmen im Rhein auf der hessischen Seite nicht. Forderungen nach einem Badeverbot liefen bei der Stadt Wiesbaden ins Leere, weil sie die falsche Adressatin sei. Im Unterschied zu den Wasserbehörden verfüge man im Rathaus über keine Rechtsgrundlagen, um diese Forderung durchzusetzen, sagte der Stadtrat.

Es sei den Bürgern nur schwer zu vermitteln, dass auf der Mainzer Seite ein absolutes Schwimmverbot herrsche, auf der Kasteler und Wiesbadener Seite dagegen nicht, räumte der Leiter des Amts für Gefahrenabwehr und Verkehrsüberwachung, Carl-Michael Baum, ein. Auf der Mainzer Seite gelte nur deshalb ein Schwimmverbot, weil dort der Schiffsverkehr in der Fahrrinne des Rheins als Bundes-Wasserstraße laut Gesetz "vor Störungen geschützt" werden müsse.

In Kastel und Biebrich versieht die Stadt Wiesbaden vorwiegend solche Stellen am Rhein mit Warnschildern, an denen ein seichtes Ufer zum Baden verlockt. Viele Menschen in der Kommune hätten nach dem tragischen Unglück erkannt, dass das Baden auch lebensgefährlich sein könne. Deswegen habe sich die Stadt entschlossen, die Tafeln aufzustellen. Von den Aufschriften erwarte sie sich einen pädagogischen Effekt, sagte Stadtrat Schlempp weiter. Erwachsene Promenadenbesucher sollten nicht zögern, Kinder und andere Unbedarfte zurückzuhalten, wenn sie in Unkenntnis der Gefahren in den Rhein gingen.

"Baden im Rhein kann lebensgefährlich sein. An dieser Stelle ist das Wasser schon nach mehr als drei Metern so tief, dass niemand mehr stehen kann", heißt es auf einer von drei Tafeln, die den Uferverlauf vor dem Kasteler Strand beschreiben. In Ufernähe bildeten sich Strudel, in denen auch geübte Schwimmer ertrinken könnten. Erwachsene sollten Vorbild sein und Kinder nicht unbeaufsichtigt ins Wasser gehen lassen.

Als die Tafeln aufgestellt wurden, bat sich Ralf Kraft von der Gastronomie der "Bastion von Schönborn", die den Strand bewirtschaftet, ein Mitspracherecht aus. Mitten zwischen den Liegestühlen würden die Schilder ihre Wirkung verfehlen. An den Portalen seien die mit städtischen Emblemen versehenen Tafeln viel besser zu erkennen.

Auch in Zukunft werde man Unfälle nicht ausschließen können. Doch die Tafeln seien als Unterstützung für Eltern zu verstehen, die ihren Kindern mit auf den Weg geben wollten, dass in der Natur auch Gefahren lauerten, sagte Stadtrat Schlempp weiter. Warntafeln alleine seien aber keine Garantie, dass in Zukunft kein Unglück mehr geschehe.

Verzichten wolle die Kommune darauf, auch am Mainufer in Kostheim solche Warnschilder anzubringen, weil es dort ihres Wissens nach keine Abschnitte gebe, die zum Schwimmen im Fluss einladen würden.

 

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